Die Pläne Luzifers

Während des gesamten Verdichtungsprozesses, den Luzifer aktiv vorantriebt, war es sein Ziel, ein von Gott unabhängiges Reich zu schaffen. Solange sich seine Verschattung in Grenzen hielt und er durch sein hohes Wissen die energetischen Kräfte nach seinem Willen manipulieren und sogar gefallene Wesen von anderen Planeten an sein Reich ziehen konnte, war er in der Lage, seine Führung zu behaupten (siehe dazu auch [HGt.03_018,14 u.15]). Mit zunehmender Verdichtung schwanden jedoch seine Kenntnisse und die Fähigkeit, sich in seinem ganzen Reich zu bewegen und dasselbe zu beherrschen. Da gleichzeitig seine Herrschsucht und sein Terrorregime zunahmen, fiel schließlich ein Teil seiner Anhänger von ihm ab.

Nun änderte er seine Pläne und beschloß, die Auflösung aller geschaffenen Formen in die Wege zu leiten. "Er glaubte, wenn die Verdichtung der Fallreiche ihr Höchstmaß erreicht haben würde, könne der Geist nach seinem ehernen Gesetz alle reinen Ätherformen wie auch die Materie nur noch umwandeln oder zerstreuen, was die Auflösung aller Formen zu Folge haben müsse." (Universelles Leben, die Strahlungsfelder, S.68/69)

Durch eine gegenläufige Drehrichtung der Chakren in den Seelenhüllen plante er, die Menschenseelen schrittweise zur Degeneration in das Tier-, Pflanzen- und Mineralreich zurück in den ungeformten Äther führen zu können (ähnlich einem Krebsgeschwür, welches nach und nach den ganzen Menschen befällt). Seinen geistigen Niederschlag fand dieser Plan in manchen östlichen Lehren, und nach den Angaben des Univ. Lebens soll die Auflösung aller geschaffenen Formen vor dem Ereignis von Golgatha in der Akashachronik schaubar gewesen sein. (Siehe auch die weiter unten zitierten Äußerungen von Sai Baba, (Einheit ist Göttlichkeit, Kap. II,3), der die Auflösung alles Geschaffenen heute noch verkündet, was wiederum als Bestätigung für den einst vorhandenen Plan Luzifers gewertet werden kann. Östliche Lehrer haben nicht selten das, was auf Golgatha geschah nicht mitbekommen und verkünden überholte, vorchristliche Ansichten.)

Der Plan der Erlösung

Die Pläne Luzifers wurden nun auf folgende Weise durchkreuzt. Mit dem Fall wendet sich das göttliche Liebezentrum (mitsamt dem aus ihm ausstrahlenden Logos), das bis dahin im Verborgenen geblieben war, der Schöpfung zu und verbindet sich mit dem in der ursprünglichen Lichtwelt manifestierten Sohn und beginnt durch diesen zu wirken, bis hin zum Ereignis von Golgatha, wo Luzifer seine endgültige Niederlage erleidet.

Intermediarius spricht in diesem Zusammenhang von einer 2. Schöpfung: "Die zweite Schöpfung tritt ein als Folge einer Änderung, die sich in der Trinität selber so darstellt, daß das Antlitz des S o h n e s (bei Lorber "Vater" genannt, der Verf.), in Vereinigung mit dem des H e i l i g e n G e i s t e s, statt des Angesichts des V a t e r s sich der Himmelsrose zuwendet." (Bd. 1, S. 116)

"Christus der Mittler (Ebene der Triade, der Verf.), tritt durch diese Wendung so hervor, daß er ... nun selber zum strahlenden Centrum wird." (Bd. 1, S.116) "Seitdem das Angesicht des Sohnes in der Trinität sich der Himmelsrose zugewandt hat und dadurch der Mittler mit dem Sohne Eins wird, ruht auf ihm die ganze Macht und Gewalt der Trinität." (Bd. 1, S.120)

Da an dem Prozeß der Rückholung der gefallenen Geister eben jene zwei Ebenen, die der Trinität und die der Triade mitwirken, so besteht wiederum die Möglichkeit mannigfaltiger Mißverständnisse und Verwirrungen. Dazu kommt natürlich noch die materielle Ebene, der Körper Jesu (der Menschensohn) hinzu, so daß es insgesamt nun drei Ebenen (außerdem auch noch die Kausal-, Mental-, Astral- und die elementalische Ebene) gibt, die alle miteinander verbunden, das Wesen Jesu ausmachen.

Bei Lorber wird das Leben Jesu aus der Sicht des Gotteszentrums bzw. des Logos geschildert, im Unterschied dazu vertritt das Univ. Leben die Sicht der 2. Ebene, die des Mitregenten. Letzterer ist der Träger des Logos bzw. der Vermittler zwischen der Ebene der Trinität und der Materie und an der Erlösung maßgeblich beteiligt. (Manche Schriften nennen eine Vielzahl von solaren und planetaren Logoi, die jedoch mit der Ur-Weisheit Gottes, dem eigentlichen und einzigen Logos, wenig gemein haben.) Ebensowenig ist der Logos einer von den Elohim, einer bestimmten Hierarchie von Geistwesen; vielmehr ist er der Schöpfer von diesen. Folgende Ergebnisse geistige hat nun das Ereignis von Golgatha: Nach der Kreuzigung Jesu fließt aus der Urzentralsonne ein stützendes Energiepotential in die Seelen aller gefallenen Wesen, der Erlöserfunke (Pfingstgeist). Dieser hält den Kreislauf der Geistkräfte in Gang, verleiht den Chakren die rechte Drehrichtung und verhindert so die von Luzifer in Angriff genommene Degeneration alles Geschaffenen, die Auflösung im ungeformten Allgeist. Dieser Erlöserfunke wirkt im 4. Zentrum (Herzchakra), ist das Erbe des Sohnes aus der 2. Ebene, und darf nicht verwechselt werden mit dem Gottesfunken, Mikrologos oder Atman, der aus der 1. Ebene stammt und nach Golgatha in nähere Beziehung zu den äußeren Körpermenschen treten kann, da die Macht der luziferischen Kräfte in den Seelenhüllen seit der Kreuzigung Jesu gebrochen worden ist. Der Zugang zu diesem Gottesfunken war vor Golgatha nur in den Mysterienstätten möglich, während es seitdem jedem Menschen möglich ist, diesen auf dem geistigen Weg in sich zu erwecken und zu erleben. Ein wesentlicher Aspekt der Erlösung bzw. der Versöhnung besteht demnach darin, daß Gott selbst sich in den materiellen und von Gott abgeschnittenen Menschen eingeboren hat. Der Logos bzw. das Liebe-Weisheitszentrum der Gottheit durchdringt das Geistwesen sowie den Körpermenschen Jesus, so daß dieser zum personifizierten Träger, zur Person gewordenen Gottheit wird.

In Jesus gibt sich das gestalthafte Herzzentrum der Gottheit eine materielle Form. (Kernaussage des Offenbarungswerkes nach Jakob Lorber)

Die Auferstehung ist also nicht nur ein Weiterleben der Seele Jesu, sondern die Gottheit ergreift den gekreuzigten Körper, transformiert diesen ins Geistige und fügt ihn als Kleid der Gottheit an, damit vereinigt sie sich ebenfalls mit dem Geistwesen Jesus (aus der 2., der triadischen Ebene, diesen bezeichnet das Univ. Leben als den Mitregenten der Schöpfung). Das bedeutet, daß er auf unterschiedlichen Ebenen verschieden geschaut und erlebt werden kann und dennoch eins ist. Dieser unfaßbare Demutsakt der Gottheit bahnt den Weg in der zutiefst gefallenen Materie, durch die Lichtmauer in die ursprüngliche Schöpfung und weiter auf die neu erschlossene Himmelsebene zum Liebezentrum der Gottheit. Zwischen Kreuzigung und Auferstehung steigt Jesus hinab ins Erdinnere, den sog. Abgrund, das Zentrum Luzifers, um sich auch in der Hölle zu offenbaren und den dort hausenden Wesen den Rückweg zu weisen.

Luzifer (Sadhana) erkannte, daß seine Pläne, eine Auflösung der Schöpfung im Allgeist herbeizuführen, durch Jesu Kreuzigung und den als Folge aus der Urzentralsonne ausgeflossenen Erlöserfunken (Pfingstgeist) zum Scheitern verurteilt waren und ließ sich zur Umkehr bewegen. (Nachzulesen bei A. Wolf, z. B. in der kleinen Schrift: Gethsemane - Golgatha, und Univ. Leben. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn wird das auch in der Bibel, bzw. in der Interpretation dieses Gleichnisses bei Lorber angedeutet.)

Umkehr Sadhanas

Die Bekleidung Satanas mit einem himmlischen Gewand in einem Lorbertext bei Robert Blum [RB.02_182,07] im Jenseits drückt in symbolischer Weise die grundsätzliche Umkehr Satanas aus (ein hartnäckig im Boshaften verstocktes Wesen, wäre außer Stande ein himmlisches Gewand anzulegen, das wäre ihm im höchsten Maße unangenehm), jedoch vermag sie ihre Boshaftigkeit trotz Umkehr nicht mit einem Mal abzulegen.

Da die Umkehr Satanas in Lorberkreisen sehr umstritten ist, möchte ich einige ergänzende Erläuterungen anfügen. Wenn man sich das Geschehen um Satana, wie es im 2. Band von Robert Blum geschildert wird, insgesamt vor Augen führt und mit dem Herzen durchdenkt, so kann daraus eine andere Erkenntnis gewonnen werden als die, dass Satana nach wie vor ein Fürst der Hölle ist. Ein Großteil der Lorberbewegung hat m. E. nicht genügend zur Kenntnis genommen und mit dem Herzen durchdacht, was es mit den Kap 182 bis 187 aus Robert Blum auf sich hat:

[RB.02_183,01] "Minerva zieht jetzt wirklich das Gewand an. O Tausend, das ist stark! Nein, das ist ja nimmer zum Aushalten, diese unsagbare Schönheit!

Ein himmlisches Gewand ist nicht wie ein irdisches lediglich zur äußeren Bekleidung und Schutz gegen Wärme oder Kälte gedacht, sondern ein himmlisches Gewand spiegelt das Innere in gewisser Weise wieder. Das ist bei Satana natürlich nicht ganz einfach nachzuvollziehen, da sie zu diesem Zeitpunkt noch völlig zerrissen ist, mal will sie sich ändern und dann gebärdet sie sich wieder wie der alte Satan.

Das freiwillige Anlegen eines himmlischen Gewandes bedeutet doch, dass sie sich den himmlischen Einflüssen geöffnet hat und das ist doch das Entscheidende!

Mit einem Bein steht sie schon im Himmel, mit dem anderen ist sie noch Fürst der Hölle. Diese riesengroße Polarität muß man gedanklich erst einmal zur Kenntnis nehmen und aushalten lernen. Und zwischen diesen beiden Polen ist sie hin- und hergerissen und das schildern die Kapitel bei Robert Blum, in denen von Satana die Rede ist.

[RB.02_187,01] Rede Ich: "Halt, halt! Und nun keinen Lärm, denn die Schwangere ist in Kindsnöten und darf in der Geburt nicht gestört werden!

Welche Geburt kann denn hier gemeint sein, da möchte ich gleich noch einmal bitten, das mit dem Herzen zu lesen! Jesus hätte sich doch nicht dieser Worte bedient, wenn er ihren Feldzug gemeint hätte, von dem gleich gesagt wird, er sei zu Scheitern verurteilt. Hier kann nur von Satanas Schwangerschaft mit ihrer eigenen Kindschaft Gottes die Rede sein, die Jesus hier bereits andeutet, aber an dieser Stelle ist's eben noch nicht ganz soweit.

Sie erhält nun noch ein Schwert [RB.02_187,05]. Aber nicht von einem Höllenteufel, wie es doch eigentlich bei einem Höllenfürsten zu erwarten wäre, sondern von einem Himmelsboten, ja warum wohl ausgerechnet von den Himmelsboten? Satana sollte sich noch einmal austoben dürfen, aber bereits ganz unter Kontrolle und unter Einflussnahme des Himmels, nicht zuletzt infolge dieses himmlischen Gewandes und nun auch noch des himmlischen Schwertes, dessen sollte man sich bewusst bleiben.

[RB.02_187,06] Robert reicht ihr ein Schwert... Spricht Robert: ...Wohl aber ist es ein Symbol deiner nunmehrigen Macht! [RB.02_187,07] ...Diesmal soll dir der letzte Kampf, aber allein nur auf deine Rechnung, zugelassen werden. [RB.02_187,13] Rede Ich: ...Diesmal ist ihr wie allen ihres Sinns die Falle gelegt, in der sie sich unausweichbar fangen wird!

Was heißt denn "unausweichbar" für jemanden, der bereits ein himmlisches Gewand trägt? [RB.02_195,12] Spricht Minerva: "Ja, ja, ich gehe und werde streben, mich womöglich zu ändern!" [RB.02_195,13] Spricht Cado: ...Aber auf der Erde wird sie noch viel Unheil stiften. Doch dann wird sie mehr und mehr in sich gehen durch gewaltige Züchtigungen und Demütigungen! (Hervorhebung von mir.)

Nun möchte ich doch mal vor Augen führen, was seitdem geschehen ist: Das sind doch im deutschsprachigen Raum vier Kriege, 1866 der preußisch österreichische Krieg um die Vorherrschaft im deutschen Bund, 1870/1 der deutsch französische Krieg und weiter der erste und zweite Weltkrieg.

Dabei sollte man sich immer vor Augen halten, dass Satana durch das Tragen dieses himmlischen Gewandes sich den Einflüssen des Himmels geöffnet hatte, die sich bei der Durchführung ihrer Pläne und jener geschichtlichen Ereignisse als starke Gewissensbisse bei ihr bemerkbar machen und ihre innere Wandlung bewirken konnten. Infolge der Ereignisse nach ihrem Anlegen des himmlischen Gewandes, hat sie sich auch innerlich gewendet, weswegen ihre Umkehr bekannt gegeben werden konnte, die sich bei RB schon angedeutet, später jedoch zur Gewissheit wurde.

Schon im 11. Band des GEJ wird in der Vision des Ebal angedeutet, was sich da möglicherweise vollziehen wird und durch 2 Mittlerinnen ca. 100 bzw. 150 Jahre nach Lorber kam dann die Botschaft, Satana sei umgekehrt. Dieses Ereignis, der bewussten Umkehr Satanas und Annahme der Kindschaft Gottes, muß sich kurz vor oder nach Ende des zweiten Weltkrieges abgespielt haben, was ich daraus entnehme, dass die Offenbarung nach Dudde, die schon während der Hitlerzeit begann davon nichts berichtet, eine Satana kommt bei Dudde jedoch nicht vor, während die Offenbarung nach Anita Wolf, die 1949 begann, diese Umkehr verkündet.

Nach der Darstellung von A. Wolf ist das zwar schon in der Karfreitagsnacht geschehen, jedoch war das mehr eine Art erzwungene Kapitulation vor der Überlegenheit Jesu und wurde daher auch noch nicht bekannt gemacht. (Nachzulesen bei A. Wolf, z. B. in der kleinen Schrift: Gethsemane - Golgatha, und Univ. Leben. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn wird das auch in der Bibel, bzw. in der Interpretation dieses Gleichnisses bei Lorber angedeutet.)

Damit ist das böse Prinzip, das sie kreiert hat und das dem materiellen Kosmos und den darin eingeschlossenen Geschöpfen Satanas innewohnt, die ihre Ideologie übernommen haben, natürlich noch lange nicht umgekehrt. Das wird erst sein, wenn die ganze gefallene Schöpfung wieder ins Geistige zurückverwandelt sein wird, was noch sehr lange brauchen wird.

Dazu Margarethe Eckel: Jakob Lorber - Anita Wolf, Unterschiede - Missverständnisse : "Dieses Ringen dauerte fast 2000 Jahre, und es ist noch immer im Gange. Davon heißt es (UR-Werk, 10/1291 f.): "Und es wird ein Kampf bis zur Morgenröte, dessen sei gewiß! - Allein diese eine Nacht ist dir zu gewähren …" Diese eine Nacht meint nicht nur die Karfreitagsnacht, in der die Hauptentscheidung fiel und fallen mußte, ...es meint der Herr sicher auch die Menschheitsnacht der folgenden 2000 Jahre bis zur Morgenröte Seiner Wiederkunft. In all dieser Zeit dauerte der Kampf an: das Ringen Sadhanas zwischen Einsicht und Trotz, zwischen dem Wollen und dessen Verhinderung durch den eigenen Hochmut, das Hin und Her von Ansätzen zur Nachgiebigkeit und Rückfällen in die Verhärtung... Bis zur letzten Phase der persönlichen Umkehr Sadhanas ist wohl noch ein weiter Weg von ihr zurückzulegen, denn dieser letzte Schritt bedeutet ihre bedingungslose, endgültige Unterwerfung und Aufgabe jeden Widerstandes, und zwar nicht nur im Wollen, sondern auch in der Tat. Wir sollten uns in die Seelenkämpfe Sadhanas hineinversetzen, wir sollen mit Liebe und Verständnis an sie denken, für sie beten und sie segnen, denn damit helfen wir ihr auf ihrem schweren Weg, in ihrem harten Ringen mit sich selbst, und helfen somit auch unserem himmlischen Vater, Sein verirrtes Kind schneller zurückzugewinnen."

Satana/Luzifer betritt den Reinigungsweg. Sie nimmt dabei die Verpflichtung auf sich, solange im Kosmos zu verbleiben, bis ein jedes gefallene Wesen in die himmlischen Welten zurückgekehrt ist. Seine Vasallen verharren jedoch in ihrem widergöttlichen Bestreben und setzen sein Werk fort. (In übertragenem Sinne werden diese ebenfalls "Luzifer" oder Satan genannt. In der Lorberschrift "Bischof Martin" findet man die Auseinandersetzung mit einem solchen Satan auf der Sonne. Dazu gibt es eine entsprechende Stelle bei R. Steiner. Er spricht in seinen Vorträgen über die Apokalypse (11. Vortrag) von "Sorat", dem Sonnendämon, dem Gegner des Lammes.)

Die Folgen des Golgatha-Ereignisses auf die jenseitigen Sphären, das Karma- und Reinkarnationsgesetz

Da das Golgathaereignis einen enormen Einfluß auf die Zustände nach dem Tode bzw. die Sphären im Jenseits ausgeübt hat, möchte ich auch auf dieses Gebiet sowie im Zusammenhang damit auf die Lehre der Reinkarnation kurz eingehen. Obwohl sich in diesem Punkt die christliche Mystik mit den östlichen Lehren berührt, so sind dabei auch Unterschiede vorhanden, die es mir sinnvoll erscheint aufzuzeigen.

Nach manchen östlichen Lehren muß sich ein Wesen, das einmal ins Rad der Wiedergeburten eingetreten ist, in starrer Gesetzmäßigkeit im Verlauf von gewissen Zeitabständen immer wieder verkörpern und die Folgen aller von ihm verursachten Handlungen auf sich nehmen und abtragen. Ein Austreten aus dem Rad der Wiedergeburten ist nach dieser Auffassung nur möglich durch den Kontakt mit einem geistigen Lehrer und nach Absolvierung einer esoterischen Schulung. (Ähnlich starre Reinkarnationslehren findet man in theosophischen und anthroposophischen Kreisen.)

Für die Zeit vor dem Golgatha-Opfer kann auch die christliche Mystikik diesen Standpunkt akzeptieren. Da sich jedoch in Jesus die Gottheit selbst eine menschliche Form geschaffen und das Gesetz bis ins Kleinste erfüllt hat, ohne daß dafür ein selbst erzeugter schuldhafter Zwang zum Ausgleich vorhanden war, konnte durch diese Erfüllung die Gesetzmäßigkeit in sich gewandelt werden. Einmal wurde jener Zwang zur Reinkarnation aufgehoben, die Macht der negativen Wesen in den jenseitigen Welten eingeschränkt und diese zu Reinigungssphären umgestaltet. (Ein weiterer Aspekt der Erlösung, der uns in den Schriften des Univ. Lebens und zuvor schon von der "geistigen Loge Zürich" mitgeteilt wird.)

Während vor dem Golgatha-Ereignis ein jeder Mensch, der mit materiellen Seelenschlacken aus dem Leben schied, zu einer erneuten Inkarnation gezwungen war (Luzifer hatte vor Golgatha nicht nur auf der Erde, sondern auch im Kosmos noch eine ganz andere Macht), kann er nun seine Reinigung in den jenseitigen Sphären angehen.

Eine weitere Inkarnation auf der Erde oder einem anderen, weniger verdichteten Stern des gefallenen Kosmos, kommt seitdem nur noch vor, wenn eine Seele sich dieser Reinigung entziehen möchte und, getrieben von ihren weltlichen Begierden, eine erneute Einverleibung anstrebt; oder wenn ihr die in den jenseitigen Welten tätigen Lehr- und Führungsengel eine solche Verkörperung zwecks schnellerer Abtragung alter Seelenschulden anraten (z. B. eine Versöhnung mit ehemals verfeindeten Menschen, was im Jenseits oft sehr lange dauert).

Diese Verkörperung unterliegt jedoch auch in diesem Fall der Freiwilligkeit. Außerdem steht sie in einem inneren Zusammenhang mit der vorigen Verkörperung und der in den jenseitigen Welten geleisteten Reinigungsarbeit. (So betrachtet ist es nicht sinnvoll, sich an alle Einzelheiten einer vergangenen Inkarnation durch Therapie erinnern zu wollen, da man sich möglicherweise erneut in Probleme verstrickt, die bereits in den Reinigungssphären bewältigt waren.)

Zudem gibt es natürlich auch noch die Verkörperung von reinen Geistwesen mit einem Lehrauftrag.

Die christliche Mystik sagt also ja zu dem Phänomen Reinkarnation, nein zu einer zwanghaften Wiederverkörperung oder gar Einverleibung von Menschenseelen in Tiergestalten.

Zum anderen wurde auch das Karma-Gesetz in seiner Unerbittlichkeit gemildert. Das auch in der Bibel nachlesbare Prinzip von Saat und Ernte (Karma-Gesetz) und der sinngemäße Ausspruch Jesu, du wirst nicht von dannen kommen, bis du nicht den letzten Heller bezahlt hast, deuten auf die unerbittliche Strenge dieses Gesetzes hin, seine Worte, deine Sünden sind dir vergeben, zeigen andererseits seine Souveränität über dasselbe. Jeder Verstoß gegen das Liebegebot sowie eine der 7 Eigenschaften Gottes und die 10 Gebote führt zu einer Belastung der Seele und infolgedessen zu einem späteren Erleiden eines ähnlichen Geschehens oder zu körperlichen Krankheiten.

Durch eine Hinwendung zu Gott durch Einsicht in die eigene Fehlerhaftigkeit und Änderung des Verhaltens, kann nun ein Teil der karmischen Belastungen aufgehoben bzw. in ihrer Auswirkung beträchtlich gemildert werden.

Ohne das Golgatha-Opfer und seine nachhaltigen Folgen sowohl auf die jenseitigen Bereiche in Form einer Brechung der luziferischen Macht in den Astralbereichen und der seitdem bestehenden jenseitigen Reinigungsmöglichkeit als auch auf das Karmagesetz in Form einer Modifizierung desselben hätte die Menschheit kaum mehr aus der Verstrickung in die Materie herausgefunden.

(Laut Rudolf Steiner betrifft der Christus-Impuls den gesamten Erdenkörper, so daß sich dadurch die Erde in einem künftigen kosmischen Entwicklungsstadium, dem sog. Jupiterstadium, wieder mit der Sonne vereinigen kann. Dazu gibt es ebenfalls eine Parallele bei Lorber, [GEJ.05_111,04] Wenn aber einst die Erde, nach für euch undenklich vielen Jahren, alle ihre Gefangenen wird hergegeben haben, so wird sie dann selbst im Lichtmeere der Sonne in eine geistige umgewandelt werden.)

Die östlichen Lehren, die ihren Ursprung in den vorchristlichen Zeiten haben, konnten bis heute den Impuls, den die Gottheit in Jesus der Menschheit gab, nicht auf- und annehmen. Insbesondere das Wissen um den Erlöserfunken (Pfingstgeist), der die Auflösung alles Geschaffenen auf der Ebene des ursprünglichen Geistkörpers (Buddhi-Ebene) verhindert, sowie die Tatsache, daß in Jesus das Gotteszentrum über diese Erde ging, ist in keiner östlichen Schrift enthalten. Daher sind diese Lehren in vielen Punkten erneuerungsbedürftig.

Das Mosaik der verschiedenen mystischen Werke und Strömungen, das ich versucht habe hier zusammenzusetzen, paßt natürlich nicht immer ganz nahtlos ineinander. Mystische Schriften zu studieren bedeutet jedoch u.a. Widersprüche aushalten zu lernen, die in dieser Schrift zu glätten und auszuräumen versucht wurden durch einen Vergleich der verschiedenen Offenbarungen und deren Einordnung in eine mystische Tradition, und somit den Geist hinter den Buchstaben zu erkennen, ohne unkritisch zu werden und alles gelten zu lassen, bzw. wie Jesus durch J. Lorber empfiehlt "solar", d. h. aus dem Geist der Liebe und Weisheit an eine jede Betrachtung heranzugehen:

Zum nächsten Kapitel:

Zusammenhang der verschiedenen Werke analog den drei Himmelsebenen

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