Geist und Welt

oder

Licht und Finsternis



„Und das Licht scheint in der Finsternis,

und die Finsternis hat‘s nicht ergriffen.“

heißt es im biblischen Johannes Evangelium.



Was bedeutet dabei „Licht“ und was „Finsternis“?

Eben das schildert uns das Höhlengleichnis von Platon:



Platon schildert das Beispiel von Menschen, die in einer Höhle angekettet werden und zwar so, daß sie den Kopf nicht bewegen können. Hinter ihnen brennt ein Feuer und von außen fällt Licht in die Höhle und vor ihnen befindet sich die Höhlenwand, so dass, wenn hinter diesen Angeketteten und dem Feuer sich etwas bewegt, dieses Etwas einen Schatten wirft, der sich auf der Höhlenwand abzeichnet und von den angeketteten Personen wahrgenommen werden kann. Und wenn nun diese Angeketteten nie etwas anderes wahrzunehmen bekämen, würden sie diese auf der Höhlenwand sich bewegenden Schattenbilder für die einzige Realität halten, die existiert.

Wer sind denn die in der Höhle Angeketteten, von den Platon bzw. Sokrates sagt, sie seien uns ganz ähnlich. Was haben denn wir, die wir uns mit Autos und Flugzeugen bewegen, mit an Pfähle Angeketteten gemeinsam? Ist das Gleichnis denn nicht mehr zeitgemäß angesichts der heutigen Technik oder was ist gemeint.

Nehmen wir den Hinweis R. Steiners zu Hilfe „...also ist das Geschäft des Philosophen: Befreiung und Absonderung der Seele vom Leibe...“ zitiert Steiner Plato. (Rudolf Steiner, Das Christentum als mystische Tatsache, S. 54, 55, 59) kommen wir einem Verständnis etwas näher, insofern als daraus hervorgeht, daß man auch mit Flugzeugen oder auch Weltraumflügen nicht aus der Höhle hinauskommt, sondern daß es sich bei dem Pfahl an den die Höhlenbewohner angkettet sind, um den Körper handelt, an den die Seele sich selbst bei ihrer Geburt gekettet hat. Durch den Vorgang unserer Geburt begeben wir uns in die Höhle, die die ganze materielle Welt und von einem spirituellen Standpunkt aus gesehen einen Zustand der schwach erhellten Finsternis darstellt.

Gleichzeitig zeigt dieses Gleichnis, daß ein Angeketteter das Licht, das außerhalb der Höhle scheint, weder beweisen noch widerlegen kann, es ist da, die Angeketteten können es jedoch nicht wahrnehmen.

Platon führt sein Höhlengleichnis folgendermaßen fort, man stelle sich vor, einer der Angeketteten kann sich von seinen Fesseln befreien und kann nun, nach dem er sich an das Licht des Feuers gewöhnt hat, die Ursache der Schattenbilder wahrnehmen, er findet den Weg aus der Höhle heraus zum Licht, an das er sich wiederum erst schmerzhaft gewöhnen muß und er kommt nun zur Erkenntnis des Dramas seines bisherigen Höhlendaseins.

Darauf faßt er den Entschluss zurück zu kehren und seinen Mithöhlenbewohnern die Zusammenhänge zu erklären und sie an seiner neu gewonnen Erkenntnis teilhaben zu lassen. Durch seine ans Licht gewohnten Augen, kann er jedoch die Schattenbilder an der Wand nicht mehr so genau wie früher erkennen und so kommen seine Mitbewohner zum Schluß er habe sich die Augen verdorben und wenn er sie mit seinen Erkenntnissen weiter belästige, müsse man ihn zu Schweigen bringen und eventuell sogar umbringen.

Rudolf Steiners Hinweis „...also ist das Geschäft des Philosophen: Befreiung und Absonderung der Seele vom Leibe...“ zeigt, daß diese Art der Philosophie vollkommen außerhalb des Bewußtseins der heutigen sog. Schul- bzw. Universitätsphilosophie ist (und wenn Platon sagt, die Philosophen sollten den Staat regieren, dann meint er Philosophen im Sinne von Steiners Hinweis, also Eingeweihte).

Üblicherweise herrscht hier folgendes Verständnis dieses Gleichnisses:

Platon schildert eine Welt der Erscheinungen und eine Welt der Ideen. In der Welt der Erscheinungen sind die Angeketteten verhaftet, die nur die Schattenbilder an der Wand vor ihren Augen wahrnehmen. Nur der- oder diejenigen, die ihre Fesseln lösen, können zur Welt der Ideen vordringen. Welche Maßnahme soll nun das Lösen der Fesseln bewerkstelligen.

Die meisten Interpreten sind sich einig, daß das die wissenschaftliche Bildung vermag.

Beispielsweise würde jemand, der rein in der sinnlichen Anschauung verhaftet ist, ein Radiogerät auseinander nehmen um darin das Orchester zu suchen, dessen Musik aus dem Gerät tönt, während der wissenschaftlich Gebildete weiß, das das Orchester möglicherweise schon vor einiger Zeit gespielt hat, das Stück entweder analog auf Bändern oder Schallplatten oder digital in Form von Bits (Nullen und Einsen) und Bites (Vielfaches von Bits) auf Datenträgern gespeichert und über elektromagnetische Wellen übertragen und mittels des Radios hörbar gemacht wird. Noch krassere Beispiele kennt man aus der Welt der Teilchenphysik, wenn etwa ein Elektron Welle und Teilchen zugleich ist, was der sinnlichen Erfahrung nur in Form von ausgeklügelten Versuchen zugänglich wird.

Auf derselben Ebene, wie bei der Forschung nach dem Orchester im Radiogerät,befinden sich heutige Wissenschaftler, wenn sie beispielsweise einen Vogel- oder Fischschwarm untersuchen und sich die Frage stellen, weshalb es in diesen Schwärmen selbst bei starken Richtungsänderungen nicht zu mehr Zusammenstößen kommt; auch wenn sich die sog. „Schwarmintelligenz“ sich im Sprachgebrauch eingebürgert hat, ist heutige Wissenschaft nicht in der Lage zu erkennen, daß die steuernde Intelligenz eines Schwarmes sich nicht auf der materiellen Ebene, also nicht in den Gehirnen der betreffenden Tiere, sondern außerhalb derselben sich befindet und als „Gruppengeist“ bezeichnet wird.

Anhand dieses Beispiels läßt sich auch die kleine Verkomplizierung erklären, die Platon in sein Höhlengleichnis einbaut. Zwischen den Angeketteten und dem Feuer schildert er eine Mauer hinter der Menschen Gegenstände in die Höhe halten, die die Schatten an der Höhlenwand erzeugen, die die Angeketten zu sehen bekommen. Letztere sehen nicht direkt die Schatten der Handelnden, sondern die Schattenbilder der Gegenstände, die die hinter der Mauer Handelnden über die die Mauer halten. Man denke nochmal an den Gruppengeist, der hinter der Mauer den Vogel- oder Fischschwarm steuert, den wir zu sehen bekommen.

Die Frage ist, hat Plato gemeint, man käme allein durch wissenschaftliche Bildung ins Reich der Ideen. Ein Stück weit vielleicht schon, aber bereits beim steuernden Gruppengeist gerät die heutige, rein materiell ausgerichtete Wissenschaft an ihre Grenzen (von Außenseitern wie z. B. Schelldrake mal abgesehen) und stellt man sich die Frage nach dem Sinn des Lebens nach der Herkunft des menschlichen Daseins und des Kosmos, gerät diese Verfahrensweise, allein mit wissenschaftlicher Bildung (derzeitige Gymnasial- und Universitätsbildung) schnell an ihre Grenzen.

Wenn auf die entscheidenden Fragen der menschlichen Existenz „Wer bin ich“ und „Woher kommt die Welt“ die Antwort präsentiert wird: „Wir sind nur Sternenstaub“ (J. Gaarder, Sophies Welt) demonstriert Philosophie lediglich, daß sie in der Höhle und ihrem Bewußtsein stecken geblieben ist, selbst wenn sie sich in die Illusion zurecht gedacht hat, sie sei durch wissenschaftliche Bildung darüber hinaus gewachsen.

Genau deshalb heißt es in Goethes Faust:
"Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße Doktor gar
Und ziehe schon an die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum –
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen."

Daher zurück zum Bild der Angeketteten, die an den Körper gebundenen Seelen.

Wie löst man die Fesseln und kommt zum Licht?

Entweder indem die Seele den Körper verläßt und sich in die Region des Lichts begeben kann oder indem das Licht im inneren der Seele aufzuleuchten beginnt und dem Körper bzw. dessen Bewußtsein diese Erleuchtung mitteilt, ein Vorgang, der im Johannes Evangelium als Wiedergeburt (nicht Reinkarnation) bezeichnet wird. Bei Jakob Lorber, einem Künder aus dem Reich dieses Lichts, heißt es dazu:

[GEJ.01_003,01] Wenn der Mensch alsogestaltig durch die Wiedergeburt zur wahren Kindschaft Gottes gelangt, in die er von Gott, dem Vater, oder von der Liebe in Gott förmlich eingeboren wird, so gelangt er zur Herrlichkeit des Urlichtes in Gott, das da eigentlich das göttliche Urgrundsein Selbst ist;

Natürlich ist eine Kombination von beiden möglich.

Ob das nun „Einweihung“ genannt wird, wie bei. R. Steiner, ein „Erleuchtungserlebnis“ wie bei Jakob Böhme, „Zentralschau“ wie bei Michael Hahn oder „Inneres Wort“ wie bei J. Lorber, in all diesen Fällen wird der Mensch, wenn auch auf unterschiedliche Art, dieses Lichtes teilhaftig, das außerhalb der Höhle und gleichzeitig auch verborgen im Inneren der Angeketteten scheint.

Was wird in Philosophenkreisen nicht alles zusammen interpretiert, wie der Aufstieg zum Licht bewerkstelligt werden kann.

In diesem Sinn erläutert R. Steiner: "Es gibt nur ein Mittel, ihn (Plato) vollständig zu verstehen: an muß ihn in die Beleuchtung rücken, die von den Mysterien ausstrahlt...

Das worüber Plato nie geschrieben hat und nie schreiben wollte, muß etwas sein gegenüber das Schreiben vergeblich ist. Es muß ein Gefühl, eine Empfindung, ein Erlebnis sein, das nicht durch augenblickliche Mitteilung, sondern durch <<Hineinleben>> erworben wird...

Von Plato ging auf seine Schüler noch mehr über als der Wortsinn seiner Darlegungen. Da wo er lehrte, lebten die Teilnehmer in Mysterienatmosphäre. Die Worte hatte Obertöne, die mitschwangen. Aber diese Obertöne brauchten eben die Mysterienatmosphäre. Sonst verklangen sie ungehört..." (Rudolf Steiner, Das Christentum als mystische Tatsache, S. 54, 55, 59)

Auch wenn man Jakob Böhme den „philosophus teutonikus“ genannt hat, wird er in der heutigen Fachphilosophie (mit Ausnahme von Schelling) kaum zur Kenntnis genommen. Whitehead war immerhin der Ansicht, Philosophie müsse einen Begriffsrahmen schaffen, in dem auch mystische Erkenntnisse ihren Platz finden können.

Völlig unerklärlich bleibt jedoch, warum Gott mit der Welt der Ideen nicht zufrieden war. Der Philosoph findet die Höhle als etwas bereits Geschaffenes vor und kehrt aus Güte freiwillig dahin zurück; doch sollte man meinen, wenn der Schöpfer alles zu schaffen verstand, hätte er eigentlich darauf verzichten können, die Höhle überhaupt erst zu schaffen.“ (B. Russell, Philosophie des Abendlandes, 15. Kap.) Diese Frage läßt sich allerdings aus dem Bewußtsein eines Höhlenbewohners nicht ohne weiteres beantworten, es sei denn er nimmt die Licht-Erkenntnisse von außerhalb der Höhle auf. Das wiederum können die Universitätsphilosophen selten gelten lassen, Swedenborg wurde von keinem Geringeren als Kant geschmäht: Träume eines Geistersehers, Schellings akademische Kariere erlitt einen Knick als er mystische Erkenntnisse in seiner Philosophie verarbeitete, Jakob Böhme wurde von seinem Pfarrer mundtod zu machen versucht und R. Steiner, ähnlich wie Sokrates, vergiftet. Zu Jakob Lorber sagt die heutige Theologie, seine Schriften seien religiöse Literatur stammend aus seinem Unterbewußtsein, um ihn quasi als bedeutungslos ab zu qualifizieren (ein psychologischer Nonsense, da das Unterbewußtsein eine Bildersprache spricht und keine Bücher diktiert).

R. Steiners erkenntnistheoretischen Aussagen, „der Erkenntnisakt ist die Synthese von Wahrnehmung und Begriff“ aus seiner „Philosophie der Freiheit“ also einem Zusammentreffen der Welt der Erscheinungen mit der Welt der Ideen im Bewußtsein des Erkennenden, müssen im Zusammenhang mit dem Höhlengleichnis und Platons Ideenlehre gesehen werden und so gesehen ist er einer der wenigen, der Platon ernst genommen und weiter gedacht hat und auch ihn hat die Universitätsphilosophie „links“ liegen gelassen.

Insofern ist das Höhlengleichnis eine andauernde leider zumeist mißverstandene Mahnung an den heutigen Wissenschaftsbetrieb, soweit er ausschließlich von der Materie ausgeht und nur aus dem materiellen abgeleitete Zusammenhänge gelten lassen will, daß es sich dabei um ein vom materiellen Dasein gefesseltes und verdunkeltes Bewußtsein handelt, das die Frage nach seiner Entstehung ebensowenig beantworten wie ein Baron Münchhausen sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann. So gesehen ist es durchaus nachvollziehbar, wenn ein Whitehead provoziert:

Die sicherste allgemeine Charakterisierung der philosophischen Tradition Europas lautet, daß sie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht,“ (Whitehead, Prozess und Realität, Kap. 1) auch wenn er dabei weniger das Höhlengleichnis als vielmehr Platons Kosmologie im Blick hatte.


Nun kann man Platon als einen Künder von diesem Licht außerhalb der Höhle vor Jesus begreifen und einige christliche Theologen haben unternommen, Übereinstimmungen zwischen der griechischen Philosophie und dem Christentum heraus zu arbeiten, z. B. Origenes mit dessen Lehren man durchaus hätte verstehen könne, weswegen Gott sich nicht mit dem Lichtreich oder dem Reich der Ideen zufrieden geben konnte, sondern als als kosmischer Kindergarten und Rückführungsort zugelassen hat, daß die Höhle geschaffen wurde.


Wer oder was ist nun das Licht, das von außen in die Höhle hineinscheint, gehen wir dieser Frage genauer nach mit einer Kundgabe, in der dieses Licht über sich selbst ausspricht.


"Im Anfang war das Wort" beginnt das biblische Johannes Evangelium. Was hat nun das „Wort“ mit dem Licht zu tun und welchen Einwand gibt es gegen das „Wort“.

Keinem geringeren als Goethe kam diese Übersetzung zu wenig tatkräftig vor und sein Faust schlug daher die „Verbesserung“ vor, das "Wort" durch "Tat" zu ersetzen, so daß diese Stelle bei ihm heißt; „Im Anfang war die Tat“.

Geschrieben steht: ›Im Anfang war das Wort!‹
Hier stock' ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Daß deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe
Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh' ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!
[Goethe: Faust. Eine Tragödie, S. 56. Digitale Bibliothek Band 4: Goethe, S. 4583
(vgl. Goethe-HA Bd. 3, S. 44)]

Nun fällt die Übersetzung des griechischen "Logos" mit "Wort" etwas blaß aus. Allerdings ist eben der Logos, wie es im griechischen Original heißt, nicht nur ein kommunikatives Wort im menschlichen Sinn, sondern eben ein schöpferisches Wort, was die von Goethe vermißte "Tat" mit einschließt und was das „Wort“ mit dem „Licht“ zu tun hat, das ist Thema von Jakob Lorbers Großem Evangelium Johannis, dort wird uns folgende Erläuterung gegeben:

[GEJ.01_001,06] Also aber laute die richtige Übersetzung: Im Urgrunde, oder auch in der Grundursache (alles Seins), war das Licht (der große heilige Schöpfungsgedanke, die wesenhafte Idee). Dieses Licht war nicht nur in, sondern auch bei Gott, das heißt, das Licht trat als wesenhaft beschaulich aus Gott und war somit nicht nur in, sondern auch bei Gott und umfloß gewisserart das urgöttliche Sein, ...

[GEJ.01_001,07] Wer oder was war denn so ganz eigentlich dieses Licht, dieser große Gedanke, diese heiligste Grundidee alles künftigen, wesenhaften, freiesten Seins? Es war unmöglich etwas anderes als eben Gott Selbst, weil in Gott, durch Gott und aus Gott unmöglich etwas anderes als Gott Selbst nur Sich in Seinem ewig vollkommensten Sein darstellte; und so mag dieser Text auch also lauten:

[GEJ.01_001,08] In Gott war das Licht, das Licht durchfloß und umfloß Gott, und Gott Selbst war das Licht.

Bei Jakob Lorber ist das „Wort“ also gleichzeitig ein Licht, demnach ein Lichtwort, das die von Goethe vermißte „Tat“ mit einschließt, wie das Joh. Ev. ausführt.

Ev.Joh.1,3. Alle Dinge sind durch Dasselbe gemacht, und ohne Dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

[GEJ.01_001,10] In diesem Verse bezeugt sich das nur gewisserart als betätigt und handgreiflich, was da schon im ersten Verse sich als das Wort oder Licht im Urgrunde alles Seins und Werdens völlig gegenwärtig, aber noch nicht als schon ausgegangen bewerkstelligt, klar dargestellt hatte.

[GEJ.01_001,11] Es soll demnach dieser dritte Vers rein gegeben auch also lauten: Alles Sein ward aus diesem Ursein, welches in Sich Selbst ist der ewige Urgrund Seines Seins durch und durch. Dieses Seins Licht, Wort und Wille stellte Sein höchst eigen Licht, Seine urewige Schöpfungsidee aus Sich Selbst ins feste beschauliche Dasein, und nichts gibt es in der ganzen ewigen Unendlichkeit, was nicht aus demselben Urgrunde und auf demselben Wege ins erscheinliche und beschauliche Dasein getreten wäre.

Die Rätsel unserer menschlichen Existenz können nur durch das göttliche Licht von außerhalb der materiellen Welt (=Höhle) beantwortet werden, anderenfalls bleibt man in Selbsttäuschung gefangen. Das Große Evangelium Johannis nach Jakob Lorber ist ein starkes Sück Antwort auf diese Rätsel für den, der es annehmen kann.

Ev.Joh.1,4. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

[GEJ.01_001,13] Es versteht sich ja schon bei weitem von selbst, daß ein Urgrundsein alles Seins, das Licht alles Lichtes, der Urgedanke aller Gedanken und Ideen, die Urform als der ewige Urgrund aller Formen fürs erste nicht formlos und fürs zweite nicht Tod sein konnte, da dieser den vollsten Gegensatz alles wie immer gearteten Seins im Grunde des Grundes bezeichnet. In diesem Worte oder Lichte oder in diesem großen Gedanken Gottes in Gott, und im Grunde des Grundes Gott Selbst, war sonach ein vollkommenstes Leben. Gott war also das urewigste, vollkommenste Grundleben in und aus Sich Selbst durch und durch, und dieses Licht oder Leben rief aus Sich die Wesen, und dieses Licht oder dieses Leben war das Licht und also auch das Leben in den Wesen, in den aus Ihm hervorgegangenen Menschen; und diese Wesen und Menschen waren sonach völlig ein Ebenmaß des Urlichtes, das in ihnen das Sein, Licht und also auch ein dem ewigen Ursein völlig ähnliches Leben bedingte.

[GEJ.01_001,14] Da aber das Urleben Gottes ein ganz vollkommen freies ist und sein muß, da es sonst so gut wie gar kein Leben wäre, dieses gleiche Leben aber in den geschaffenen Wesen ein und dasselbe Leben sein muß, ansonst es auch kein Leben und als sonach Nichtleben auch kein Sein wäre, so ist es ja nur zu handgreiflich klar, daß den geschaffenen Wesen, Menschen, nur ein vollkommen allerfreiestes Leben gegeben werden konnte, das sich selbst als ein vollständiges fühlen, aber aus eben diesem Gefühle auch ersehen mußte, daß es kein aus sich selbst hervorgehendes, sondern nur als ein völlig ebenmäßiges aus Gott nach Dessen ewig allmächtigem Willen hervorgegangen ist.

[GEJ.01_001,15] Diese Wahrnehmung mußte in allen geschaffenen Wesen vorhanden sein gleich der, daß ihr Leben und Sein ein völlig Gott ebenmäßiges sein muß, ansonst sie wieder weder ein Leben noch irgend ein Sein hätten.

[GEJ.01_001,16] So wir aber diesen Umstand näher betrachten, so ergibt es sich, daß sich in den geschaffenen Wesen notwendig zwei Gefühle begegnen müssen, und zwar erstens und zunächst das Gefühl der göttlichen Ebenmäßigkeit oder des Urlichtes Gottes in ihnen und zweitens aus eben diesem Lichte aber dann auch notwendig das Gefühl des zeitgemäßen Werdens durch den Urwillen des Schöpfers.

[GEJ.01_001,17] Das erste Gefühl stellt das Geschöpf unbedingt dem Schöpfer gleich und wie aus sich hervorgehend völlig unabhängig von dem ewigen Urgrunde, als gleichsam solchen in sich selbst fassend und bergend; das zweite aus diesem ersten notwendig hervorgehende Lebensgefühl aber muß sich dennoch als ein vom eigentlichen Urgrunde aus sich hervorgerufenes und erst in der Zeitenfolge als in sich selbst als frei manifestiertes und somit vom Haupturgrunde sehr abhängiges ansehen und betrachten.

[GEJ.01_001,18] Dieses demütigende Gefühl aber macht das erste Hoheitsgefühl ebenfalls zu einem Demutsgefühle, was fürs Hoheitsgefühl freilich wohl eine höchst und unumgänglich nötige Sache ist, wie es in der Folge ganz klar gezeigt wird.

[GEJ.01_001,19] Das Hoheitsgefühl streitet ganz gewaltig gegen solch eine Erniedrigung und will das zweite Gefühl erdrücken.

[GEJ.01_001,20] Durch solchen Kampf aber entsteht dann Groll und am Ende Haß gegen den Urgrund alles Seins und aus dem gegen das niedere Demuts- oder Abhängigkeitsgefühl; dadurch erlahmt und verfinstert sich aber dann das Hoheitsgefühl, und es wird aus dem Urlicht im geschaffenen Wesen Nacht und Finsternis. Diese Nacht und diese Finsternis erkennt dann kaum mehr das Urlicht in sich und entfernt sich also, als blind und dabei dennoch selbständig, vom Urgrunde seines Seins und Werdens und erkennt solchen nicht in seiner Verblendung.

Ev.Joh.1,5. Und das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternis begreift es nicht.

[GEJ.01_001,21] Daher mag dann dieses Urlicht leuchten in solcher Nacht, wie es auch leuchten mag; da aber die Nacht, die wohl auch aus dem Lichte entstanden ist, keine ordentliche Sehe mehr hat, so erkennt sie das Licht nicht, das da kommt in solche Nacht, um selbige wieder ins rechte Urlicht umzugestalten.

[GEJ.01_001,22] Sogestaltig kam denn auch Ich als das ewige Ursein alles Seins und als das Urlicht alles Lichtes und Lebens in die Welt der Finsternis zu denen, die aus Mir waren; aber sie erkannten Mich nicht in der Nacht ihres ermatteten Hoheitsgefühls!


Die Werke Jakob Lorbers können als eine Form der Wiederkunft Jesu aufgefasst werden, womit ihre herausragende Bedeutung unterstrichen werden soll; wenn es auch noch eine Weile dauern wird, bis die geblendeten Menschen mit dem Licht der Neuoffenbarung etwas anfangen können.






Ev.Joh.1,18. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, Der in des Vaters Schoß ist, Der hat es uns verkündiget.

[GEJ.01_004,13] Der Ausdruck aber, wo es heißt: „Der in des Vaters Schoße ist“, besagt soviel als: Die Urweisheit Gottes oder das eigentliche innerste Gottwesen ist in der Liebe, gleichwie das Licht in der Wärme zu Hause ist, ursprünglich aus der Liebe mächtigen Wärme entsteht und entspringt und endlich durch sein Dasein abermals Wärme erzeugt, und diese allzeit wieder Licht. Ebenalso entsteht aus der Liebe, die gleich ist dem Vater und im Grunde des Grundes der Vater Selbst, das Licht der göttlichen Weisheit, das da gleich ist dem Sohne oder der eigentliche Sohn Selbst, der aber nicht Zwei, sondern völlig Eins ist mit Dem, das da „Vater“ heißt, gleichwie da Licht und Wärme oder Wärme und Licht eines sind, indem die Wärme fortwährend das Licht und das Licht fortwährend die Wärme erzeugt.



Bezüglich des inneren Wortes heißt es bei Jakob Lorber in der sog. Haushaltung Gottes:

[HGt.01_001,00] So sprach der Herr zu und in mir (Jakob Lorber) für jedermann, und das ist wahr, getreu und gewiß:
[HGt.01_001,01] Wer mit Mir reden will, der komme zu Mir, und Ich werde ihm die Antwort in sein Herz legen; jedoch die Reinen nur, deren Herz voll Demut ist, sollen den Ton Meiner Stimme vernehmen.
[HGt.01_001,02] Und wer Mich aller Welt vorzieht, Mich liebt wie eine zarte Braut ihren Bräutigam, mit dem will Ich Arm in Arm wandeln. Er wird Mich allezeit schauen wie ein Bruder den andern Bruder, und wie Ich ihn schaute schon von Ewigkeit her, ehe er noch war.

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